Aufbauklasse Malerei

Aufbauklasse Malerei

Machen sie sich einmal das Vergnügen und gehen in eine staatliche Kunsthochschule und besuchen dort eine Meisterklasse für Malerei. Sie werden erstaunt sein, wie wenig da im Unterricht von konkreter Technik die Rede ist, manchmal wohl auch zu wenig. Die meiste Zeit diskutieren die Studenten mit ihrem Professor über die Motivation und Intention eines Bildes. Es geht also um die Fragen nach dem Warum. In meinem Kurs möchte ich diese Fragen aufgreifen, ohne die Vertiefung und Verfeinerung der malerischen Technik dabei zu vernachlässigen. Ein erster Schritt könnte sein, beim nächsten Museumsbesuch den audio guide bei Seite zu legen und sich eine einfache Frage zu stellen: Wie verhält sich das Dargestellte zu den Mitteln seiner Darstellung?

Zum Beispiel, wenn Sie ihre Lesebrille zurechtrücken, um eines der unscharfen fotorealistischen Gemälde von Gerhard Richter aus der Nähe zu inspizieren? Was suchen sie da? Nun ja, wahrscheinlich die Malerei oder besser Spuren davon. Das Motiv ist ja klar zu erkennen, die Vorlage hängt als Foto nur einen Raum weiter. Seine Malerei ist tief verwurzelt in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Da hatte man sich unter dem Einfluss der pop art für die maschinellen und reproduzierenden Verfahren der Bildproduktion interessiert. Die reine Oberfläche.

Richter ist ein sich seiner Technik sehr bewusster Maler, der in seinen späten Abstraktionen mit roh belassenen Farbschichten, eine expressive Körperlichkeit heraufbeschwört. Die begleitende filmische Dokumentation zeigt ihn, wie er stoisch, mit einem riesigen Rakel, ein Bild nach dem anderen herunter streicht, vergleichbar mit Brot schmieren. Man muss die Arbeiten von Gerhard Richter nicht mögen, um trotzdem anzuerkennen, dass er für seine künstlerische Intention genau diesen hohen Grad an distanzierter malerischer Perfektion braucht.

Georg Baselitz, sein ewiger Rivale und Zeitgenosse, verfolgt da eine andere Strategie. Geht man bei ihm nahe an die Bilder heran, entdeckt man neben den Fußspuren des Künstlers auch die Reste eines nachlässig auf das Bild abgestellten Kaffeebechers. Die Botschaft ist klar, hier ist alles nackt, roh und unverfälscht. Die Malerei ist körperlich spürbar und man meint den Künstler dabei zusehen zu können, wie er den Geruch der nassen Farbe in sich hinein saugt und mit einem lauten Schnaufen den tropfenden Pinsel mit Wucht über die Leinwand zieht. Mehr Schlag als Führung. Das Bild macht den Maler und nicht der Maler das Bild. Eine existentielle Haltung zur Kunst, die in dem Einsatz der malerischen Mittel ihren entsprechenden Ausdruck findet.

Der Eine versucht alle Spuren zu verwischen, der Andere alles, um welche zu hinterlassen. Das lässt sich fortführen bis in die Auswahl des Motivs. Während Richter lakonisch behauptet, ihn interessieren seine Motive überhaupt nicht, was er später interessanterweise revidieren wird, macht sich Baselitz, daran einen Jungen mit erigiertem Penis zu malen, was ihm einen ersten handfesten Skandal und ein Ausstellungsverbot beschert.

Es geht um die Kontrolle und den Kontrollverlust in der Malerei. Eine Frage von so grundsätzlicher Bedeutung, dass die verschiedenen Stilmittel, die eingesetzt werden eigentlich erst vor diesem Hintergrund zu verstehen sind. Ein Maler wie Jackson Pollock, bei dem der Kontrollverlust fast manische Züge annahm, wollte nicht einmal mehr die Begrenzung durch die Leinwand akzeptieren und legte sie einfach auf dem Boden aus.

Sie werden viele Künstler in der zeitgenössischen Kunst entdecken, die sich nicht mehr dem einen oder anderen Lager zurechnen lassen. Es werden Stile und Techniken vermischt, auch die Motive gleichen oft mehr einer Collage als einer hierarchischen Bildkomposition. Neben der Acrylmalerei beschäftigen wir uns auch mit den Vorteilen der Ölfarbe, die sich für eine fortgeschrittene Malerei anbieten. Es herrscht eine Freiheit in der Kunst wie niemals zuvor. Um seinen Platz darin zu finden bietet sich dieser Kurs als Orientierung an.

Termine und Teilnahmegebühren

Der Kurs ist geeignet für Teilnehmer mit Vorkenntnissen der malerischen Grundlagen.

Montags von 19.00 – 22.00 Uhr

Ort: Kunstschule, Hohenesch 68, 22765 Hamburg

 

Das neue Semester für den Februar 2018 ist in der Planung.

Ein Semester geht über 6 Monate und hat 19 Termine. Der Kurs findet einmal pro Woche Montags von 19.00- 22.00 Uhr statt. Umgelegt auf 6 Monate belaufen sich die monatlichen Kosten auf 114,-€.

Tageshonorar á 3 volle Zeitstunden ... 36,– €. 

 

Für den Kurs ist es möglich einen Probetermin zu vereinbaren. Für weitere Informationen schreiben sie mir bitte eine Mail oder rufen Sie mich an. Ich freue mich auf Ihren Anruf unter 0176 229 30 532.

Die Kursgröße beträgt max. 12 Teilnehmer.
Die Teilnahme gilt als verbindlich über ein Semester.

Anmeldung: contact@jens-hasenberg.net