Wie viel Handwerk verträgt die Malerei?

Wie viel Handwerk verträgt die Malerei?

 

Zu Beginn meines Studiums entdeckte ich in der Hochschulbibliothek eine ganze Abteilung mit den einschlägigen Werken zur Einführung in die Malerei. Es fanden noch keine Vorlesungen statt und ich nutzte die Gelegenheit zu einer genaueren Recherche. Obwohl dabei wenig Fragen offen blieben, hatte ich das Gefühl um etwas betrogen worden zu sein.

„Fächerpinsel eignen sich in der Malerei hervorragend für Effekte und sehr natürliche Darstellungen von Bäumen, Wolken, Gräsern und vielem mehr“, las ich dort. Eine sehr natürliche Darstellung als eine Ansammlung von Effekten? Abstrakter wird`s dann mit dem Spachtel? Malerei also nur eine Frage des richtigen Handwerks und des passenden Werkzeugs? Als mir dann noch Schritt für Schritt am Akt mit Frau der Hautton erklärt wurde, war endgültig Schluss. Das war nicht sexy. Da fehlte was ... Wie viel Handwerk verträgt die Malerei?

Die Antwort fand sich ein Regal weiter. Hier standen die Künstlermonographien, darunter auch einige Interviews und Bücher, die von Künstlern selbst geschrieben waren. Ein besonders zerfleddertes Paperback zog meine Aufmerksamkeit auf sich: David Sylvester. Gespräche mit Francis Bacon.

182 Seiten und kein Wort darüber, dass Krapplack dunkel und lichter Ocker, Zinkweiß oder Titan zum Hautton führten. Kein Kunsthaarpinsel flach gebunden inspirierte zu den linearen Raumkonstruktionen. Stattdessen ein Reflektieren darüber, ob es überhaupt einen Sinn in der Malerei geben kann oder ob alles nur in ein obsessives Tun mündet. Die Gedanken sprangen hin und her zwischen Kunstgeschichte, Philosophie und intimen Bekenntnissen und alles war so wunderbar leicht und lebendig und doch eher von Zweifel als von Gewissheit geprägt.

Malerei verträgt eine Menge an Technik und die ist erklär- und damit für jeden erlernbar. Das Handwerk verschafft uns einen Zugang zu der ursprünglich direkten Erfahrungsebene, die gerade für den Einstieg in die Malerei so wichtig ist. Auf der anderen Seite gibt es die Welt der Gedanken, Theorien und Philosophien, die der Erfahrung erst eine Sprache gibt. In meinen Kursen möchte ich einen verständlichen und undogmatischen Zugang zu beiden Seiten vermitteln.

Das wieder Verlernen und Staunen, der Verzicht auf letzte Wahrheiten ist die eigentliche Herausforderung, vor die uns die Malerei immer wieder auf das Neue stellt. Wer sich darauf einlässt, wird mit mehr als nur einem gelungenem Bild belohnt und sieht vieles in der scheinbar chaotischen Vielfalt der Kunst danach mit anderen Augen.

Die von mir angebotenen Kurse versuchen eine attraktive Freizeitbeschäftigung mit dem Bedürfnis nach einem anspruchsvollen Studium der Malerei zu verbinden. Ob als Hobby, der Vorbereitung für ein Studium oder als Weiterbildung gedacht, eignen sich die Kurse für alle, die an einer ganzheitlichen Auseinandersetzung mit der Malerei interessiert sind. Die Kurse bauen aufeinander auf und bieten damit für jede Voraussetzung einen passenden Einstieg. Für weitere Fragen können Sie gerne einen unverbindlichen Beratungstermin mit mir vereinbaren.